Hundeschule Süssen - Ihre mobile Hundeschule im Filstal und Umgebung

Hundeschule Basiswissen, Welpen(früh)Erziehung, Problemhundetherapie

Junghundeerziehung oder "wie im richtigen Leben"

Sonntag, 28. Oktober 2018     ©Heidi Rieger

Welpen- Junghundeerziehung

In unserer Hundeschule beraten wir alle Neueinsteiger in der ersten Stunde. Ob sie mit Welpen kommen oder mit erwachsenen Hunden, mit aggressiven oder mit Hunden, welche einfach nur etwas Erziehung brauchen. Wir legen Wert drauf, dass unsere Kunden wissen, worum es geht und dass sie auch verstehen, wie wir trainieren und warum wir (körperaktiv) tätig sind.

Ich halte es hier nun fest.

Hunde kommunizieren untereinander körperaktiv. Also wenn ein Hund z.B. die Türe für sich bean­sprucht, weil jetzt ein Besucher kommt, den er gerne „begrüßen“ möchte, dann reißen wir ihn nicht an der Leine oder am Halsband von der Tür weg, sondern wir beanspruchen die Türe für uns, was heißt, dass wir zwischen Hund und Türe gehen und ruhig agieren und den Hund weg drücken. Das ist nicht alles, aber es ist ein Beispiel wie „beanspruchen“ geht und was wir meinen.

Wir reden dabei nicht, wir schreien den Hund nicht an und wir nehmen auch keine Zeitung, um ihm einen Klaps zu geben. Nein wir agieren überlegen, ohne Worte und handeln.

Im Erstgespräch weisen wir darauf hin, dass Welpen ab dem 4. – 5. Monat ihre sogenannte Flegelphase haben werden. Gerne werden wir belächelt, wenn wir diese Zeit als die schlimmste im Leben eines Menschen mit Junghund erklären. Wenn wir sagen, dass aus dem Süßen kleinen Stinker ein absolut anstrengender Hund wird, der alles in Frage stellt, der beginnt seinen Kopf durchsetzen zu wollen, der auch mal zwickt oder ständig bellt, ist es oft so, dass die Leute meinen, wir übertreiben.

Aber wenn dann diese Phase da ist, dann verzweifeln die Leute. Sie beginnen, die Hunde anzuschreien. Sie zerren an der Leine und sind völlig am Ende mit den Nerven. Ja dann ist genau das eingetreten, was wir vorausgesagt haben. Auch gibt es schon mal für den Hund mehr als einen Klaps auf den Hintern.

Wir verurteilen dieses Verhalten nicht, aber wir versuchen, klar zu machen, dass es nichts bringt. Es ist vergebene Mühe, den Hund zu schlagen, denn es wird nicht zum Erfolg führen.

Dann heißt es, sich durchzusetzen. Hier geht es nicht um Demonstration von Gewalt, sondern um das Verständnis, wie ein Hund so tickt. Er benimmt sich auf einmal nicht mehr wie das geliebte Baby sondern wie der Chef oder besser sogar noch wie ein rücksichtsloser Gewalttäter, ein Egoist!

Und was passiert, wenn der Mensch hilflos wird? Er handelt emotional, er haut schon mal zu oder reißt an der Leine oder schreit.

Ich sage Euch, das alles macht Euch nicht zum Chef, denn wie im wirklichen Leben würde man ei­nen Chef, der sich nicht im Griff hat, belächeln, einen Chef, der nicht konsequent seine Linie durch­zieht, würde man immer wieder hintergehen, wenn man die Hilflosigkeit in seinem Handeln er­kennt.

Was ich sagen will, Leute, auch wenn ich manchmal Euren Hund nehme und Euch aufzeige, was ihr tun müsst, möchte Euch nicht „vorführen“, ich möchte Euch zeigen, dass Euer Hund gerne, sogar sehr gerne konsequente Führung haben will.

Dass ihr das nicht vom ersten Tag an könnt, ist auch klar, aber ihr solltet mir oder uns einfach glau­ben, wenn wir sagen, dass es eskaliert, wenn es so weiter geht.

Nicht konsequent ist z.B., wenn ein Hund ständig was tut, das der Mensch nicht möchte und wir ihn nur 2 von 10 Mal davon abhalten.

Konsequent wäre, ihn immer davon abzuhalten. Nicht mal so oder mal so.

Nicht konsequent ist z.B., wenn man morgens mal schnell rausgeht und der Hund führt den Ausflug an, er zieht und rennt von einer Seite auf die andere, markiert alles und ist überhaupt nicht mit den Gedanken bei Euch.

Konsequent ist, wenn der Hund an der Leine raus kommt und erst mal machen muss, was ich sage. Also zu Hause schon absitzen und Leine ran. Ich gehe zur Tür raus und hole den Hund nach. Dann geht er sauber an der Leine bis ich ihn freigebe. Er soll nicht selbst entscheiden, wann er los ziehen kann, das entscheidet ihr!

Nicht konsequent ist, dem Hund nie was am Tisch zu geben, bis dann die Oma kommt. Na ja einmal geht schon. NEIN einmal geht nicht, denn der Hund setzt es um und wird immer da sitzen, auch wenn Oma nicht da ist.

Konsequent wäre, den Hund auf seinen Platz zu schicken und der Oma klar zu sagen, dass sie das nicht machen soll. Auch Krümel, die bei den Kindern runter fallen, sollten im Staubsauger landen nicht im Hund.

Nicht konsequent ist, dass der Hund auf dem Sofa sitzt und SEINEN Platz beansprucht. Wenn Be­such kommt, knurrt er, weil er den Platz räumen soll, wenn man hinsitzen möchte, geht das nicht, weil da der Hund ist. Genauso im Bett, wenn der Hund drin liegt, schläft der Mann schon mal auf dem Sofa, weil Wuffi knurrt.

Konsequent ist, der Hund darf auf Aufforderung auf das Sofa und er geht problemlos ohne Wider­spruch runter, wenn er dazu aufgefordert wird. Im Bett fliegt er raus, wenn er zu viel Platz braucht.

Nicht konsequent ist, den Welpen überall und zu jedem anderen Hund hinzulassen, weil der Hund das später, wenn er 40 kg hat auch will und davon kommt es dann, wenn die Hunde so hinziehen und sich nicht abbringen lassen. Sie haben es doch immer dürfen, warum nun nicht mehr?

Konsequent ist, den Hund bei sich zu behalten und ihn abfragen zu lassen, was er tun oder lassen soll. Das ist Impulskontrolle. Der Hund hat den Impuls, da hin zu gehen und will es durchsetzen, weil er es immer durfte, Kontrolle dieses Impulses ist, dass der Hund FREIWILLIG bei Euch bleibt. Diese Weichen stellt man im Welpenalter schon.

Das sind ein paar Beispiele, die wir Euch ja auch immer sagen und auch erklären, aber wir merken, dass es nicht das wirkliche Gewicht hat.

Es ist so wichtig, konsequent zu sein. Hunde lieben Führung und sie sind nicht glücklicher, wenn sie wild toben und keine Grenzen kennen. Im Gegenteil – sie sind hilflos und ihre Körpersprache sagt, dass es nicht das ist, was sie brauchen. Sie übernehmen die Führung, jeden Tag etwas mehr.

Was bei kleinen Hunden noch handelbar ist, wird bei großen Hunden dann zum Problem.

Ich weiß, wie schwer es ist, diesen Hundeaugen zu widerstehen, aber wenn ihr einen wirklich gut erzogenen Hund wollt, dann müsst Ihr ihm Führung geben. Dabei ist es egal, ob der Hund klein oder groß ist.

Die Hunde spiegeln Eure Launen, Eure Emotionen und Eure Konsequenz wider. Sie verhalten sich aus Hundesicht immer richtig, weswegen wir sie auch nicht fragen müssen

„warum tust Du das denn nun“

„sag, warum bist du heute so schlecht drauf?“

„ich habe Dir schon hundert Mal gesagt, dass Du das nicht machen sollst“

Sie geben uns keine Antwort darauf! Sie machen immer das, was in diesem Moment für sie das plausibelste ist und das lohnendste.

Führt Eure Hunde, gebt ihnen klare Ansagen und es bedarf dieser obigen Fragen nicht!

Fazit:

Ich weiß aus langer Erfahrung als Hundetrainerin, dass einige, die mit Welpen kommen, vom Unterricht abspringen, weil sie sich von uns „gegängelt“ fühlen. Aber wir meinen es nicht böse, wir sind auch oft hilflos Euren Gedanken gegenüber.

Wir kämpfen gegen diese extreme Liebe, die unter’m Strich der Beziehung Hund/Mensch so viel schadet.

Liebt Eure Hunde, jaaaaa das tu ich auch, aber gebt Ihnen Führung.

Daher kann ich nur an alle appellieren, bleibt dran, gebt nicht auf, weil wir Euch manchmal einen Spiegel vor’s Gesicht halten. Die meisten wissen, dass es stimmt, was wir sagen und unsere Erfah­rung ist immens.

Wir können auf die Sekunde vorhersagen, wann es zwischen zwei Hunden eskaliert.

Warum? – weil wir die Hunde lesen und darauf achten, wie sie agieren und reagieren.

Lasst Euch nicht entmutigen, NACH der Flegelphase kann alles wunderbar sein.

Egal auch, wohin ihr geht, jeder Hundetrainer, der einigermaßen sein Handwerk versteht, wird Euch dies erzählen und wird Euch Konsequenz im Umgang mit dem Hund lehren (wollen).

Die Hundetrainer, die Euch Honig um den Mund schmieren, taugen dafür nicht. Man muss schon Klartext reden, die Hunde machen das auch.

In diesem Sinne hoffe ich, dass mein langer Text ankommt und Euch alle zum Nachdenken ani­miert.

Für Fragen? – gerne – ihr wisst ja, wir sind da und wir leben es Euch doch vor, wie harmonisch es gehen kann, wenn man es umsetzt.

© Heidi Rieger[1]

 

 

[1] ©Heidi Rieger für Mobile Hundeschule im Filstal 10/2018